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Insektengift-Anaphylaxie: Defizite bei Nachsorge

Bad Homburg, 19.06.2018 – Bei der Nachsorge von Insektengift-Anaphylaxien gibt es deutlichen Nachholbedarf, wie eine Umfrage der Universitätsmedizin Gießen jetzt zeigt. Während die Erstbehandlung solcher schweren allergischen Reaktionen oft lebensnotwendig ist und schnell erfolgen muss, wird die Nachsorge noch zu häufig auf die leichte Schulter genommen. Dabei ist sie genauso wichtig, denn so können künftige Notfallbehandlungen vermieden werden.

Bei der Umfrage äußerten sich rund 550 Patienten, die bereits wegen einer Insektengift-Anaphylaxie behandelt wurden, zu ihren Erlebnissen von der Erstbehandlung bis hin zur Nachsorge. Rund 40 Prozent der Befragten gaben demnach an, dass sie nach der Erstbehandlung im Krankenhaus nicht an einen Allergologen verwiesen wurden. Nur etwa ein Drittel der Patienten wurden laut der Umfrage über die Möglichkeit einer Immuntherapie gegen Insektengift aufgeklärt. Außerdem erhielt nur jeder dritte Patient nach der Behandlung der allergischen Reaktion einen Allergieausweis. Der Ausweis enthält wichtige Informationen, die fremden Ärzten (zum Beispiel im Krankenhaus) helfen, den Patienten bei einer schweren allergischen Reaktion gezielter und somit schneller zu behandeln.

Die Umfrage zeigte außerdem, dass Patienten, die früh während der Erstbehandlung über ihre Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt wurden, auch viel häufiger an Allergologen verwiesen wurden. Folglich wurde bei diesem Patientenkollektiv auch vermehrt eine Immuntherapie durchgeführt. Zwar erhielten die meisten Patienten eine Verschreibung für einen Adrenalin-Autoinjektor, aber nur 23 Prozent erhielten auch eine praktische Einweisung in die Anwendung. So gab auch etwa die Hälfte der Befragten an, dass ihr Injektor mittlerweile das Verfallsdatum überschritten habe. Außerdem erklärten knapp zwei Drittel der Befragten, dass ihr Arzt ihr Notfallset bei Folgeuntersuchungen nicht überprüft habe.

Nachsorge-Maßnahmen, wie die Aufklärung über die Vermeidung von Insektenstichen und die Kontrolle des Notfallsets, sind sehr wichtig und können recht einfach durchgeführt werden. Aber auch eine gut über Anaphylaxie informierte Öffentlichkeit kann den Erfolg von Präventionsmaßnahmen erhöhen.

Quelle

Manmohan M, Müller S, Myriam Rauber M. Current state of follow-up care for patients with Hymenoptera venom anaphylaxis in southwest Germany: Major impact of early information. Allergo J Int. 2018;27(1):4-14. doi: 10.1007/s40629-017-0046-7. Epub 2018 Jan 16.

Online verfügbar: link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs40629-017-0046-7.pdf

 

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