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Genetisches Vermächtnis: Neigung zu Allergien vielleicht ein Erbe von Neandertaler & Co.

Bad Homburg, 24.10.2017 - Der moderne Mensch hat sich vor Jahrtausenden mit alten, mittlerweile ausgestorbenen Menschenarten wie dem Neandertaler und dem Denisova-Menschen fortgepflanzt. Diese damaligen "artübergreifenden Beziehungen" beeinflussen unsere Gesundheit womöglich bis heute in entscheidender Weise. Denn als Folge finden sich beim modernen Menschen Genvarianten, die dem Erbgut des Neandertalers bzw. des Denisova-Menschen sehr stark ähneln und Einfluss auf die Funktion des angeborenen Immunsystems nehmen. Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig identifizierten im Rahmen einer Studie drei alte, in Teilen der heutigen Bevölkerung fortbestehende Genvarianten und zeigten, dass diese die Aktivität bestimmter Toll-like Rezeptor(TLR)-Gene steigern.

TLR-Gene sind ein wichtiger Teil des angeborenen Immunsystems und haben die Fähigkeit, auf der Zelloberfläche Bestandteile von Bakterien, Pilzen und Parasiten zu erkennen und gegen sie vorzugehen. Allerdings wird mit ihnen auch eine gesteigerte Allergieanfälligkeit verbunden. Die Forscher aus Leipzig vermuten daher, dass die Träger dieser alten Genvarianten von ihrem Erbe zwar in Form eines verbesserten Schutzes vor Krankheitserregern profitieren, in der Folge aber auch überempfindlich auf eigentlich harmlose Umweltsubstanzen reagieren bzw. häufiger Allergien entwickeln.

Quellen:
Dannemann M, et al.: Introgression of Neandertal- and Denisovan-like Haplotypes Contributes to Adaptive Variation in Human Toll-like Receptors. Am J Hum Genet 2016;98(1):22-33.

"Neandertaler-Gene stärkten das Immunsystem moderner Menschen. Vermischung verschiedener Menschenformen spielte wichtige Rolle für das Immunsystem des Menschen", Website der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. (www.mpg.de), veröffentlicht am 7. Januar 2016.

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